Seit Tagen diskutieren der Mann und ich uns den Arsch ab. Und es ist großartig weil die #Aufschrei Debatte im Hause Schmidtmann voll greift. So scheint es.
Wir reden viel, „nehmen zb mal.. dies und jenes Beispiel“ um unsere Standpunkte zu verdeutlichen und meinen dann oft dasselbe aber von anderen Standpunkten aus.
Ich könnte es kurz machen indem ich jetzt hier schreibe: ich bin verwirrt vom Feminismus an sich. Und: ich bin erschüttert über 60.000 #Aufschrei Hashtags bei Twitter.
Ich hadere mit dem Feminismus.
Nicht erst seit heute. Schon länger. Das beginnt mit „Die Rolle der Frau“ und endet mit „Bauarbeiter haben mir nachgepfiffen. Wie sexistisch!!“
Mir fehlt zum Beispiel das streben nach Karriere. Das geht mir völlig ab. Aber nicht aus Faulheit sondern weil ich in dem aufgehe was ich tue.
Ich bin Mutter. Ehefrau.Und, Hausfrau. Und ich genüge mir. Völlig. Ich bin glücklich, werde nicht dominiert und bin frei in meinem handeln & denken. Wir führen eine Ehe und da ist seins meins, und umgekehrt.
Voll 50ties aber UNSER WEG! Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen und stehen für diese Entscheidung auch gemeinsam ein.
Ich akzeptiere jeden anderen Lebensentwurf und bin es etwas leid mich dafür rechtfertigen zu müssen.
Ich twitterte:
„Ich hab ein Riesenproblem mit diesem Aufschreidings.
Ich lese einige ziemlich tollen Frauen hier. Wenn mir die im Vertrauen ihre „Geschichte“ über sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, erzählen wollen, okay.
Aber die Ängste und Traumata für eine mmhm.. „sexuelle Revolution“ zu nutzen uns sich so online noch verwundbarer zu machen dann find ich das nicht gut.
Ich.
Und ich merke wie ich vorsichtiger bin mit dem was ich eigentlich schreiben will, aus Rücksicht.
Das find ich blöd.
Und ich fühle mich fast wie ein Außenseiter weil ich solche Erfahrungen nicht in die Welt „schreien“ würde. Das find ich noch viel blöder.
Es ist einfach ein Thema mit zu vielen Facetten. Das mischen ist da unumgänglich und das nervt!“
In dieser Aufschrei Debatte hab ich mich gefragt: Warum kannst du denn da jetzt nix zu schreiben? Verdrängst du? Oder bist du einfach so hässlich/unansehnlich (oh! Ein Klischee!!) das dich deshalb nie einer angegangen ist oder dich mit anzüglichen Witzen bedacht hat.
Ich bin die Verallgemeinerungen satt. „Jede Frau kämpft mit dem Alltagssexismus..“ Ja aber was wenn verdammtnochmal nicht?
Bin ich dann blind? Oder blöd? Oder eben hässlich?
Es ist ein ernstes Thema. Ich weiss das und wie ich oben schon einmal bemerkte: ich bin erschüttert über die Erfahrungen die man so liest.
Es gibt sexuelle Übergriffe. Jeden Tag. Und das ist scheisse. Und die Menschen die das tun sind scheisse. Und die Menschen die wissen das andere Menschen sexuell bedrängt werden und wegsehen/nicht helfen sind scheisse.
Nichtsdestotrotz frage ich mich bei all der Aufklärung, Toleranz und Schwesternpower in der Welt: Warum jetzt?? Warum nehmen Frauen so lange Schweigen & Schuld auf sich bevor sie mit so einem sensiblen Thema rausrücken?
Warum jetzt, so öffentlich und so „plötzlich gestärkt“? Ist man im 21.Jahrhundert WIRKLICH immernoch der Meinung man sei allein? Man könne sich nicht wehren? Man dürfe sich nicht wehren??
Das irritiert mich.
Ich selbst schrieb auf Twitter das ich, selbst wenn ich betroffen wäre, meinen #Aufschrei nicht im Rahmen einer (neuen) sexuellen Revolution der Menschheit zum Fraß vorwerfen will. Das ich mich nicht bloßstellen will nur weil irgendeiner irgendwann irgendwo seinen Pillermann, ach scheiss drauf, Schwanz, nicht unter Kontrolle hatte.
Man hatte Angst sich zu wehren und stellt sich jetzt, teilweise mit realen Namen hin und „aufschreit raus“ was einem passiert ist.
Wie denkt ihr geht man mit euch um? (ich versteh’s wirklich nicht!!)
Aber ich schrieb auch das mich das nicht betrifft. Ich weiss nicht wie er ist, dieser Alltagsseximus. Ich weiss nicht wie sich ein sexueller Übergriff anfühlt. Nicht während, nicht danach.
Ich sehe das aber auch nicht so verbissen. Sprüche oder Blicke.
(Selbstverständlich bagatellisiere ich hier in keinster Weise sexuellen Missbrauch, Übergriffe oder Machtdemonstrationen!! Mir ist bewusst das es das wirklich gibt und das man schweift weil man Angst hat. Aber verliert man die wirklich in der Anonymität des Internets? Ist die Welt nicht zu klein??)
Ich empfinde so etwas wie Alltagssexismus nicht. Ich rede gerne über Sex, ich habe gerne Sex und ich diskutiere gerne über Sex.
Und ich finde es fürchterlich das ich jetzt darauf achte wie mich meine männliche Umwelt wahrnimmt. Ich will das nicht.
Es gibt ganz klare Grenzen. Und ein sexueller Übergriff/Missbrauch ist durch NICHTS zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen.
Aber wo will man Grenzen setzen, für die Gesellschaft wenn jede Frau sehr individuell ihre eigenen Grenzen steckt und mit dem Wort individuell quasi wieder das Schlupfloch geschaffen wird?
Was wollen wir denn eigentlich erreichen?
Wir, die Frauen, die sich Modebewusst kleiden, mit ihren Reizen auch spielen, ja, so viel erlauben aber dann pikiert sind wenn man uns nachpfeift weil man uns gutaussehend findet.
Oder geht es um „geile Schnecke!“???
Ist das nicht total widersprüchlich?? Ich provoziere Aufmerksamkeit und prangere eben diese dann an??
Wir, die Frauen, die sich ganz bewusst naggisch machen um auf den Covern dieser Welt zu strahlen, uns aber dann wundern und aufschreien wenn uns jemand als Wichsvorlage benutzt?
Oder sind das dann keine Feministinnen? Immerhin sind sie nackt und wenn zb auf der Vogue abgedruckt ja schon ziemlich weit oben auf der Karriereleiter.
Haben die keine Rechte? Gilt dann plötzlich: Für mehr Männer auf Covern?
Wir, die Frauen.
Die Frauen die aufeinander rumhacken weil eine fett die andere dünn ist, weil eine stillt, die andere nicht, weil eine zu Hause bei den Kindern, die andere im Büro bei ihrer Karriere bleibt.
Die Frauen die durch den Aufschrei was bewegen wollen aber sich eigentlich gar nicht so sicher sind was genau.
Respekt. Klar. Arbeiten wir ja auch nicht schon lange dran. Und der Mann/Mensch der ihn für uns jetzt nicht hat wird ihn nie haben.
Ernstgenommen werden. Ja, äh.. dann setz ich doch nicht in eine Politsendung in der ich meine Intention & Meinung zum #Aufschrei erläutern will eine Frau Mehrin in die Feministinnenecke die „Ich seh gut aus, wieso soll ich das nicht einsetzen“ Phrasen in einem Interview drischt.
Oder eine Frau Schwarzer.
Und dann ist da noch Uschi Bruhns die ich auch nicht ernst nehmen kann weil sie alles so unter den Teppich kehrt. Weil sie nicht sieht was viele von euch sehen. Und was viele von euch erleben mussten.
Oder den Herrn Karasek der wohl einfach viel zu lange einsam im Kino saß weil viele Frauen nicht von ihm angefasst werden wollten und so sein Herrenwitz für ihn keine Pointe hat.
Und man lässt das auch keinen Entertainer (MANN!) moderieren sondern sucht sich eine FRAU!
Und man regt sich dann auf, wird furchtbar laut und lässt der Sendung ein offenes Ende..
Ich hadere mit dem Feminismus weil sich Feministinnen bereit erklären sich auf niveaulose Menschen und deren verklärte Weltansichten einzulassen was nichts weiter bringt als einen Lacher in der nächsten Bild und vielleicht eine Spalte mehr im nächsten Politmagazin.
Ich bin hin und hergerissen zwischen dieser Frauenpower und zwischen, steht doch drüber wenn euch jemand großartig und begehrenswert findet.
Redet weiterhin über eure Ziele im Feminismus aber definiert diese auch. Deutlich. Und erkennt den Frauen die Feministin nicht ab nur weil sie nicht alles gleich tut und neben der selben Intention wie der euren aber auch noch andere Dinge für wichtig erachtet. Anders wichtig. Aber nicht weniger.
Klärt auf, macht bewusst aber nicht genauso fanatisch wie die, die ihr verurteilt.
Erkennt die wichtigen Thematiken und macht was aus dem Potential der Social Media Möglichkeiten.
Ihr seid alle, dick oder dünn, mit einem oder drei Augen, Mainstream oder Punk wunderschöne Menschen. Wunderschöne Frauen.
Macht euch das doch mal bewusst.